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Flugfaulheit bei Ziervögeln

Manche im Haus gehaltenen Vögel verlieren im Laufe der Zeit die Lust am Fliegen. Mit ein paar Tricks kann man sie wieder zu begeisterten Vielfliegern machen.

Jeden Tag ist es dasselbe Ritual: Der Vogelhalter geht zum Käfig seines gefiederten Hausgenossen, öffnet das Türchen – und das Tier bleibt aus freien Stücken hinter seinen Gitterstäben. Oder aber der Vogel klettert aus dem Käfig und setzt sich auf dessen Dach. Dort bleibt er einige Stunden lang sitzen, bis der Hunger ihn zurück zu seinen Fressnäpfen treibt oder der Vogelhalter beschliesst, dass es nun Zeit zum Schlafengehen ist.

Zwar gewährt der Halter seinem Haustier regelmässigen Freiflug, das Tier nutzt diese Möglichkeit jedoch nicht, obwohl es ein Leichtes wäre, munter durch die Wohnung zu flattern. In einem solchen Fall sollte man unbedingt dafür sorgen, den Ziervogel wieder dazu zu bringen, seine Flügel zu benutzen und nach Möglichkeit auch noch Spass am Fliegen zu haben.

Mögliche Ursachen für Flugfaulheit

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Gründe für die Flugunlust von Ziervögeln. In vielen Fällen spielt Übergewicht eine grosse Rolle. Kaum ein Lebewesen leistet freiwillig Schwerstarbeit, weshalb schwergewichtige Ziervögel dazu neigen, das Fliegen mit steigendem Gewicht zu reduzieren und letztlich gar komplett einzustellen.

In manchen Fällen sind Krankheiten für die Bewegungsunlust verantwortlich. War ein Vogel über einen längeren Zeitraum krank oder stark geschwächt, fehlte ihm vermutlich die Gelegenheit, seine Flugmuskulatur genügend zu trainieren. Versucht ein solches Tier nach der Zwangspause wieder zu fliegen, bereitet ihm selbst die kürzeste Runde durch die heimische Stube grösste Mühen. Da Vögel von der Natur so programmiert sind, auf keinen Fall Energie zu verschwenden, gehen sie den Weg des geringsten Widerstandes und fliegen nach längeren Ruhephasen nur widerwillig oder gar nicht mehr.

Eine weitere, in menschlicher Obhut leider sehr gängige Ursache für Flugfaulheit von Ziervögeln ist ein schreckliches Erlebnis. Etliche Vögel, die beim Freiflug in der Wohnung verunglückt sind und sich dabei verletzt haben, meiden später so viele Flüge wie möglich. Sie verbinden das Fliegen mit ihrer schmerzhaften Erfahrung, was die Vögel dazu veranlasst, sich nicht mehr in die Lüfte zu erheben.

Egal aus welchem Grund ein Vogel nicht mehr fliegen will, als Vogelhalter sollte man ihn dazu ermuntern, seine Flügel zu benutzen. Der kleine Körper benötigt gelegentliche Anstrengungen, um in dauerhaft gesund und fit zu bleiben. Das Fliegen ist für die Gesundheit der Vögel ausgesprochen wichtig, da es aufgrund der mit der Anstrengung einhergehenden Erhöhung der Sauerstoffzufuhr und der Verstärkung der Durchblutung das Immunsystem ankurbelt sowie gleichzeitig Herz und Kreislauf anregt.

Niemals den Vogel jagen

Die goldene Regel lautet, einen flugfaulen Ziervogel niemals zu scheuchen, um ihn wieder zum Fliegen zu bringen. Damit erreicht man meist ausschliesslich Negatives, denn das Tier assoziiert deshalb das Fliegen zukünftig unter Umständen mit Panik, was zu weiterer Verweigerung des Fliegens führen könnte. Ausserdem würde Ihr Vogel Sie mit dem Schrecken in Verbindung setzen, Sie beim Jagen verbreiten – der Vogel würde auf lange Sicht mit grosser Wahrscheinlichkeit seine Zutraulichkeit und das Vertrauen zu Ihnen verlieren. Man sollte immer mit viel Einfühlungsvermögen an die Sache herangehen. Jeder flugfaule Vogel muss von selbst seine Freude am Fliegen wiederentdecken. Als Halter kann man ihm dabei lediglich möglichst gute Hilfestellungen geben.

Leckereien als Lockmittel

Für ein Stück Kolbenhirse tun die meisten Ziervögel, allen voran Wellensittiche, so ziemlich alles - auch fliegen. Und das dann in aller Regel sogar freiwillig! Bringen Sie das Lieblingsfutter Ihres Ziervogels - das kann neben Hirse auch Obst oder Grünfutter sein - an einer Stelle an, die das Tier nur fliegend und nicht etwa kletternd erreichen kann. Dem Flugverweigerer wird sich bald vom Anblick des begehrten Leckerbissens das Wasser im Schnabel zusammenlaufen, was ihn sicher bald zum Fliegen verleiten wird.

Im Schwarm ist fliegen schöner

Oft sind es einzeln gehaltene Ziervögel, die nicht mehr fliegen wollen. Falls Sie nur einen Vogel halten, versetzen Sie sich bitte in dessen Lage. Würden Sie gern allein, also auch ohne Tanzpartner, in einem vollkommen leeren Ballsaal das Tanzbein schwingen? Der Vergleich mag vielleicht hinken, aber halten Sie sich bitte vor Augen, wie sehr die meisten Ziervögel arteigene Gesellschaft lieben. Die meisten im Haus gehaltenen Ziervögel sind in freier Natur ausgewiesene Schwarmvögel, weshalb sie gern in grossen Gruppen fliegen. Selbst wenn Sie stets für Ihren einzeln gehaltenen Vogel da sind, können Sie beim besten Willen nicht zusammen mit ihm durch die Wohnung fliegen. Mindestens ein weiterer Artgenosse täte Ihrem flugfaulen Gesellen gut, denn die Tiere bringen einander gegenseitig auf natürliche Weise zum Fliegen.

Niemals Druck ausüben

Bitte bedenken Sie, dass Sie Ihren Vogel durch die oben beschriebenen Massnahmen niemals unter Druck setzen sollten! Es dauert oftmals eine Weile, bis ein Ziervogel aus freien Stücken wieder seine Flügel benutzt. Dies gilt vor allem dann, wenn der Vogel zuvor beim Freiflug verunglückt ist. Haben Sie Geduld mit Ihrem Tier und machen Sie ihm Mut. Sie kennen Ihren Vogel am besten, Ihnen fällt sicher etwas ein, wie Sie ihm dabei helfen können, seine schlechten Erfahrungen zu verarbeiten und im Idealfall zu vergessen.