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Gefahren beim Freiflug

Täglicher Freiflug ist für viele in der Wohnung gehaltene Vogelarten lebensnotwendig. Die gute Stube birgt jedoch etliche Gefahren für gefiederte Hausgenossen.

Das Fliegen ist für den Grossteil der Vogelarten nicht nur die bedeutendste Art der Fortbewegung. Durch die körperlichen Anstrengungen wird das Herzkreislaufsystem gestärkt, die Durchblutungsrate der Muskeln und der Haut erhöht sich und der Organismus wird durch die beschleunigte Atmung mit einer grösseren Menge Sauerstoff versorgt. All dies wirkt sich bei einem gesunden Vogel positiv auf das Immunsystem aus und macht ihn dadurch widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Ein von Menschen bewohntes Zimmer ist jedoch in den meisten Fällen eher ungeeignet für derlei körperliche Ertüchtigungen eines Vogels. Überall lauern Gefahren, die zum Teil auf den ersten Blick nicht als solche erscheinen. Damit Sie Ihre Heimvögel unbesorgt in der Wohnung fliegen lassen können, stelle ich in diesem Artikel einige der größten Gefahrenquellen vor.

Entfliegen
"Ich mache das Fenster nur einen kleine Spalt breit auf, es wird schon nichts passieren!" Dass diese Annahme oftmals einem fatalen Irrtum entspricht, halten leider die wenigsten Vogelhalter für möglich. Ein sonst eher träger Vogel spürt einen Windhauch, wird neugierig und ist schneller aus dem Fenster geflogen, als man hinterher schauen kann. Zudem ist es erstaunlich, durch welch schmale Öffnung sich ein Tier zwängen kann! Geöffnete Balkontüren, vor denen ein leichter Vorhang weht, stellen eine eindeutige Einladung zum ganz grossen Freiflug dar. Insbesondere die überaus neugierigen Vertreter der Papageienfamilie lassen sich durch einen Vorhang nicht am Wegfliegen hindern. Sie schauen hinter den Vorhang und sind somit sehr schnell im Freien. Entflogene Vögel haben draussen nur sehr geringe Überlebenschancen und nur in den seltensten Fällen wird ein kleiner Ausreisser eingefangen, man sieht den geliebten Vogel demnach vermutlich nie mehr wieder.

Feststecken oder Einklemmen
Als Höhlenbrüter sind vor allem Papageienvögel wie der beliebte Wellensittich permanent auf der Suche nach geeigneten Brutplätzen. Selbst in Gefangenschaft lassen sie von dieser Angewohnheit nicht ab, wobei es meist die Weibchen sind, die sich in alle erdenklichen Spalten zwängen. Aber auch mancher männlicher Papagei quetscht sich gern in dunkle Ecken. Dieses "Hobby" kann den Vögeln während ihres Freiflugs leicht zum Verhängnis werden, falls sie irgendwo stecken bleiben und ihr Besitzer sie nicht rechtzeitig findet. Häufig fallen zum Beispiel Wellensittiche hinter Schränke, weil sie dort eine grosse Bruthöhle vermuten. Mancher Vogelhalter findet sein verunglücktes Tier dort erst, wenn für dieses sämtliche Hilfe zu spät kommt. Am besten verschliessen Sie sämtliche Hohlräume und Spalten, in die Ihre Vögel krabbeln wollen könnten.

Kollision mit einer Glasscheibe
Eine grosse Gefahr für frei fliegende Vögel stellen Fensterscheiben, Spiegel und andere Glasflächen dar. Zwar mag ein Vogel normalerweise an die unsichtbare Barriere gewöhnt sein. In einer Paniksituation aber könnte der Fluchtinstinkt siegen, was das Tier unter Umständen dazu veranlasst, gegen das Glas zu fliegen. Im schlimmsten Fall bricht sich der Vogel das Genick und ist auf der Stelle tot. Aber es kann auch zu schweren Blutungen der Nase, zu gefährlichen Platzwunden am Kopf, zu Gehirnerschütterungen und Knochenbrüchen kommen, die den Vogel für immer zum Invaliden werden lassen. Ein Beispiel für eine solche schweren Verletzung ist ein Bruch des Schnabelhorns , denn es wächst - wenn überhaupt - nur überaus langsam nach. Ist der Bruch nahe der Schnabelwurzel, kann der Vogel mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr selbstständig fressen und muss eingeschläfert werden. Das Nachwachsen des Schnabels dauert Jahre, so lang hält selbst ein übergewichtiger Heimvogel bedauerlicherweise nicht ohne Nahrung durch.

Erschrecken
Vögel sind in manchen Situationen extrem ängstlich sowie schreckhaft und sterben nicht selten an den Folgen eines Schocks. Zartbesaitete Tiere erleiden durch übermässiges Erschrecken leicht einen tödlichen Herzinfarkt. Oder ein verschreckter Vogel flattert unkoordiniert herum und bricht sich bei einer Kollision einen Flügel oder gar das Genick. Überaus empfindlich reagieren die meisten Vögel auf plötzliche Geräusche, die für das menschliche Empfinden nicht einmal unbedingt sonderlich laut sein müssen. Auch ein unvorhergesehener Lichteinfall - die Vögel sitzen im Dunkeln und Sie schalten plötzlich das Licht ein - kann die Tiere erschrecken.

Ersticken
Bitte lassen Sie keine Plastiktüten oder -folien dort herumliegen, wo sich Ihre Vögel zum Freiflug aufhalten. Die Neugier verleitet sie vielleicht dazu, sich das vermeintliche Spielzeug aus der Nähe anzuschauen. Falls sie hinein krabbeln, besteht akute Erstickungsgefahr!

Ertrinken
Zahme Heimvögel sind oft ausgesprochen neugierige Zeitgenossen und sie inspizieren gern herumstehende Trinkgläser. Setzen sie sich auf den Rand, können sie bei ihren Trinkversuchen leicht vorn über stürzen. Ein offenes WC im Badezimmer stellt eine weitere Gefahrenquelle dar. Darüber hinaus kann sämtliches Putz- und Spülwasser zur tödlichen Falle werden. Der Schaum auf dem Wasser sieht aus wie eine feste Oberfläche, auf der die Tiere landen wollen. Aus einem Putzeimer oder Spülbecken können sie sich wenn sie einmal durchnässt sind nicht aus eigener Kraft befreien. Auch Blumenvasen und vor allem Giesskannen sollten Sie nicht in der Reichweite eines frei fliegenden Vogels stehen lassen. Aquarien sollten Sie stets mit einem Deckel versehen, den vor allem verspielte und neugierige Papageienvögel wittern ihre Chance auf ein tolles Bad.
 

Weitere Gefahren: Quetschungen, Verbrennungen

Obwohl ein Freiflug für im Haus gehaltene Vögel neben einer Menge Spass auch viel für ihre Gesundheit bringt, sollte ein Vogelhalter zur Sicherheit einige Dinge beachten.

Haustiere Unterschätzen Sie nie die Gefahren, die von der gemeinsamen Haltung von Katzen und Vögeln ausgehen, aber auch manche Hunde können Vögeln gefährlich werden. Insbesondere beim Freiflug sollte man diese Vierbeiner und die Gefiederten nie unbeaufsichtigt lassen, da ein flatternder Vogel im sonst so friedlichen Stubentiger oder Schoßhund den Jagdinstinkt wecken könnte. In manchen Fällen können sogar Nager zur Gefahr für Vögel werden. Lässt sich ein Vogel beim Freiflug auf dem Käfig der Nager nieder, knabbern diese unter Umständen seine Füsse an, was im schlimmsten Fall zum Verlust einer oder mehrerer Zehen führen kann.

Quetschungen
Achten Sie immer darauf, ob Ihr Vogel auf einer Tür sitzt, bevor Sie diese schliessen. Klemmen Sie ihn dort versehentlich ein, führt das in den "harmlosesten" Fällen zu Quetschungen. Im schlimmsten Fall verliert das Tier seine Zehen und mit ihnen viel Blut, weshalb es innerhalb kürzester Zeit stirbt. Häufig kommt es bei derlei Quetschungen zu Brüchen der Zehen, die meist nicht mehr gerade zusammenwachsen.

Manche Heimvögel sind passionierte Spaziergänger, die mit Vorliebe über den Fussboden schreiten. Sollte Ihr Tier gelegentlich diesem Zeitvertreib nachgehen, seien Sie stets vorsichtig, damit Sie nicht versehentlich auf Ihren kleinen Freund treten.

Schlechte Raumluft

Vor allem im Winter ist die Raumluft nicht immer von allerbester Qualität. Trockene Heizungsluft setzt den Schleimhäuten der Vögel genauso wie den unseren zu. Das Raumklima lässt sich mit Hilfe von Heizungsverdunstern, die man direkt am Heizkörper anbringt, erheblich verbessern. Zur Not tut es auch ein feuchter Lappen auf der Heizung.
Denken Sie daran, sich und den Vögeln stets ausreichend Frischluft zuzuführen. Lüften Sie regelmässig, sonst leidet das Immunsystem Ihres gefiederten Pfleglings.

Verbrennungen

Offene Kamine und Kerzenflammen können für Ziervögel tödlich sein. Auch eine Landung auf einer heissen Herdplatte würde ein Vogel sicher nicht überleben. Heisse Dunstschwaden in der Küche verbrennen dem Tier beim Einatmen die Lunge. Grosse Gefahr geht darüber hinaus von heissem Öl aus. Die in letzter Zeit stark in Mode gekommenen Halogen-Deckenfluter verleiten Vögel dazu, auf ihnen zu landen. Manche Tiere tun dies nicht, weil die Lampen sehr hell strahlen. Andere ignorieren die Helligkeit und fliegen unter Umständen in ihr Verderben. Durch die hohen Temperaturen weit jenseits von 100 Grad Celsius würde der Vogel an der Lampe festbrennen und qualvoll verenden, ohne dass Sie irgendwie in der Lage wären, ihm zu helfen!
Lassen Sie bitte niemals ein auskühlendes Bügeleisen in der Reichweite Ihrer frei fliegenden Vögel stehen. Die Tiere sehen in diesem Gerät keinerlei Gefahr und könnten sich daher schlimmste Verbrennungen zuziehen.

Vergiftung

Entfernen Sie in den Vogelfreiflug-Zimmern zur Vorsicht sämtliche Bleibänder aus den Gardinen/Vorhängen. Knabbert beispielsweise ein verspielter Papageienvogel an solchen Bändern, ist die Wirkung in den meisten Fällen tödlich. Auch an Alkohol, Klebstoff, Tinte , Kugelschreiber- und Filzstiftminen sowie Blumendünger, Insektenspray und Reinigungsmittel sollte Ihr Vogel nicht herankommen. Ebenso sollte es sich von selbst verstehen, dass Sie Ihr Tier keinen Abgasen aussetzen.

Besonders gefährlich sind Zigarettenstummel in Aschenbechern. Knabbern die Vögel daran, besteht akute Vergiftungsgefahr. Zigarettenrauch ist auf die Dauer sehr gesundheitsschädlich für die Tiere. Nikotin ist und bleibt ein Gift, obwohl viele Raucher diese Tatsache erfolgreich zu verdrängen wissen. Aufgrund seiner naturgemäss schnellen Atmung und der kleinen Lunge ist ein Vogel durch Nikotin erheblich stärker gefährdet als ein Mensch. Also: nicht in der Nähe Ihrer Vögel rauchen!

Grosse Gefahr geht auch von einigen Zimmerpflanzen aus, die sich auf unterschiedliche Weise negativ auf die Gesundheit Ihres Vogels ausüben können, nachdem er sie angeknabbert hat.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, wie wichtig es ist, Vögel trotz der oben beschriebenen Gefahren mindestens einmal täglich für mehrere Stunden aus dem Käfig zu lassen. Vögel sind zum Fliegen geboren, das gilt selbstverständlich auch für Heimvögel. Deshalb gehört zu einer artgerechten Haltung der Freiflug genauso dazu wie eine ausgewogene Ernährung. Fliegen erhält die Vögel nicht nur fit sondern auch noch gesund!