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Kropfentzündung - Gefahr für Heimvögel

Matt und aufgeplustert sitzt der Vogel da, und dann fängt er kräftig an zu würgen. Im Falle einer Kropfentzündung sollte man schnell handeln, um das Leben des Tiers zu retten.

Einem an einer Kropfentzündung erkrankten Vogel – meist sind Wellensittiche von dieser Krankheit betroffen – steht das Leid geradezu ins Gesicht geschrieben. Schleim und Körnerreste verkleben sein Gefieder im Kopf- und Brustbereich, jeglicher Glanz ist aus seinen Augen gewichen und der Schmerz macht den Sittich regelrecht mürbe.

Hinzu kommt die zunehmende Erschöpfung aufgrund des Nahrungsmangels und der enormen Anstrengung beim Auswürgen von Schleim und Körnern. Wartet der Besitzer des Vogels zu lange mit dem Tierarztbesuch, stirbt ihm sein kleiner Pflegling oft innerhalb weniger Tage unter den Händen weg.

Was ist eine Kropfentzündung?

Viele Vogelarten haben einen Kropf, in dem sie die von ihnen aufgenommene Nahrung zwischenlagern, um sie vor der eigentlichen Verdauung mit Körperflüssigkeiten anzureichern, um sie weicher und damit leichter verdaulich zu machen. Füttern Vögel ihre Küken, würgen sie die im Kropf zwischengelagerte Nahrung hervor. Sozial lebende Vogelarten wie der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) würgen vorverdauten Körnerbrei auch im Rahmen der Partnerfütterung hervor, mit der das Männchen sein Weibchen unter anderem auf die Jungenaufzucht einstimmen will. Dieses Hochwürgen der Nahrung ist ein natürlicher Vorgang, der den Tieren nicht schadet. Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn eine Entzündung im Spiel ist.

Der Kropf ist mit einer empfindlichen Schleimhaut ausgekleidet, die sich durch mechanische Reize und unhygienische Bedingungen, aber auch durch allgemeine Immunschwäche des Vogels massiv entzünden kann. Folge einer bakteriellen Infektion – hierbei sind je nach Fall Chlamydien, Escherichia coli oder Pasteurellen Verursacher der Beschwerden – sind das Anschwellen der Kropfschleimhaut sowie starke Schleim- und Eiterbildung. Ferner beginnt der Vogelkörper mit einer Abstossung der aufgenommenen Nahrung: der Sittich übergibt sich. Eine Schwellung im Kropfbereich ist sogar für den Laien meist leicht erkennbar. Allerdings ist es durchaus möglich, dass die Beschwerden des Vogels nicht durch Bakterien verursacht werden. Auch Einzeller wie Trichomonaden oder Pilze wie Candida kommen als Verursacher der Entzündungen in Frage. Egal, um welchen Erreger es sich handeln mag, sie führen alle zum Tode, sofern sie nicht bekämpft werden.

Symptome richtig erkennen

Zu Beginn einer Kropfentzündung merkt man dem Vogel oft noch nicht an, dass ihm etwas fehlt. Er frisst instinktiv weniger, da der Körnerbrei im Kropf Schmerzen verursacht. Mit weiterem Fortschreiten der Infektion bekommt der Sittich zunehmend Untertemperatur – Vögel bekommen im Unterschied zu uns Menschen kein Fieber -, plustert sich stark auf, schläft viel und wirkt immer teilnahmsloser. Spätestens wenn der Vogel klebrigen, zähen und gelben Schleim hochwürgt, der mit unverdauten Körnern durchsetzt ist, sollte man auch als tiermedizinischer Laie erkennen, dass der Sittich an einer Kropfentzündung leidet. Riecht der Schleim säuerlich, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um eine bakterielle Infektion. Ist der Geruch hingegen stechend und leicht fischig, könnten Trichomonaden die Übeltäter sein.

Der Gang zum Tierarzt

Falls ihr Vogel an einer Kropfentzündung leidet, sollten Sie ihn so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen. Am besten wäre es, wenn Sie sich einen Termin geben lassen könnten, um dem Tier anstrengende lange Wartezeiten in für ihn ungewohnter Umgebung zu ersparen. Sollte Ihr Wellensittich in Folge der Infektion stark frieren, wäre es ratsam, ihn während des Transports und im Wartezimmer des Tierarztes warm zu halten. Befestigen Sie dafür eine Wärmflasche am Käfig und wickeln Sie das Vogelheim in ein Handtuch, damit Ihr Sittich weniger frieren muss.

Ihr Tierarzt wird je nach Stärke und Verursacher der Infektion zu unterschiedlichen Medikamenten greifen. Gegen Pilze helfen keine Antibiotika. Im Falle von Einzellern oder Bakterien als Verursacher ist die Verabreichung eines Antibiotikums jedoch unabdingbar. Auch Sulfanomide kommen als Medikament in Frage. Es kann sein, dass Ihr Tierarzt dem Vogel eine Spritze gibt. So erhält das Tier im Falle einer starken Infektion ein hoch dosiertes Medikament, um den weiteren Verlauf der Infektion zu stoppen. Meist geht es den Vögeln nach einer Injektion erst einmal schlechter, da sie einen schwachen Kreislauf haben, der mit dem hoch dosierten Medikament erst einmal klarkommen muss. Nach sechs bis acht Stunden sollte sich der Zustand des kleinen Patienten jedoch langsam bessern, anderenfalls hat das Medikament nicht angeschlagen!

Eine weitere Möglichkeit der Verabreichung von Medizin sind entsprechend vorbehandelte Körner. Viele Wellensittiche verweigern aber die Nahrungsaufnahme im Falle einer Kropfentzündung, hinzu kommt noch der ungewöhnliche bis bittere Geschmack des Medikaments, sodass sie oft einfach in den Hungerstreik treten. Beobachten Sie genau, ob Ihr Sittich die vom Tierarzt verordnete Körnermenge tatsächlich zu sich nicht. Falls er dies nicht tut, müssen Sie umgehend Ihren Tierarzt erneut kontaktieren und einen neuen Behandlungsplan ausarbeiten.

Neben vorbehandeltem Medizinfutter gibt es Wasserzusätze mit wasserlöslichen Antibiotika, die oftmals von den Tieren nicht in der gewünschten Menge aufgenommen werden. Farbe, Geruch und Geschmack des Wassers schrecken den kranken Vogel ab. Achten Sie auch bei dieser Darreichungsform des Medikaments genau darauf, wie viel Ihr Sittich von der Substanz tatsächlich zu sich nimmt und sprechen Sie im Zweifelsfall unbedingt mit Ihrem Tierarzt.

Kropfentzündung - Was Sie tun können

Aufgrund der Schwere einer Kropfentzündung stellt sich die Frage, was Sie tun können, damit Ihr kleiner gefiederter Freund möglichst gesund bleibt.

Was Sie sonst noch für den Vogel tun können

Ein kranker Vogel sollte, wie bereits im ersten Teil des Artikels erwähnt, warm gehalten werden. Am besten eignet sich hierfür die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe. Zur Stärkung des allgemeinen Befindens sollten Sie Ihrem Vogel etwas Traubenzucker sowie einen Vitaminzusatz ins Trinkwasser geben. Sofern Ihr Vogel ihn mag, hilft verdünnter Salbeitee sehr gut gegen Kropfentzündungen. Sie können diesen Tee anstelle des Trinkwassers reichen. Die meisten Sittiche trinken Salbeitee nur, wenn er mit Traubenzucker gesüsst ist. Auch Kamillentee unterstützt die Medikamententherapie meist sehr gut.

In Sachen Futter sollten Sie dem Vogel freie Auswahl gewähren. Er wird instinktiv das fressen, was ihm wenig Schmerzen verursacht uns was leicht verdaulich ist. Meiner Erfahrung nach wird gequollenes Körnerfutter von den Tieren während einer Kropfentzündung als Nahrung bevorzugt. Weichen Sie das normale Körnerfutter einfach vier bis sechs Stunden in Wasser ein, giessen Sie es ab und tupfen Sie es vorsichtig trocken, bevor Sie es ihrem kleinen Pflegling servieren. Grüne, also halbreife Hirse und halbreife Wildgräser werden von kranken Vögeln meist ebenso bereitwillig gefressen.

Wie kann man einer Kropfentzündung vorbeugen?

Gänzlich vermeiden lassen werden sich Kropfentzündungen nie, und statistisch gesehen erkrankt nahezu jeder Wellensittich mindestens einmal im Leben an einer solchen. Ein paar Verhaltensregeln schränken das Risiko einer Infektion jedoch deutlich ein, Sie sollten sie daher unbedingt zum Wohle Ihres Vogels befolgen. Verfüttern Sie niemals verdorbenes oder verschimmeltes sowie verfaultes Futter an Ihr Tier. Frischkost, die stellenweise verdorben war, sollten Sie nicht mehr verwenden, denn beispielsweise Schimmel zieht sich durch eine komplette Frucht, auch wenn nur eine Seite befallen ist. Grosszügiges Abschneiden hilft nicht!

Lassen Sie vor allem im Sommer Futterreste von Frischkost und Keimfutter niemals länger als ein paar Stunden in der Reichweite Ihres Vogels. In der warmen Jahreszeit verderben derlei Futterstoffe mitunter innerhalb weniger Stunden, was bei den Tieren zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann, falls sie das schlecht gewordene Futter zu sich nehmen. Dasselbe gilt für verschmutztes Trinkwasser.

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung sowie täglicher Freiflug gehören zum Standardprogramm, wenn man seinen Vogel möglichst gesund halten und ernähren möchte. Durch optimale Haltungsbedingungen beugt man schweren Erkrankungen effektiv vor, weshalb man stets darum bemüht sein sollte, seinem gefiederten Freund ein gutes Zuhause zu bieten, denn das hält in fit.