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Befall mit der Roten Milbe
Sie sind klein und unauffällig, sie saugen Blut oder fressen Hautschüppchen – die einzelnen Milbenarten haben ganz unterschiedliche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.
Allen Unkenrufen zum Trotz haben gesunde Vögel keine Milben. Leider hält sich seit langer Zeit dennoch hartnäckig das Gerücht, jeder Vogel – egal ob Wild- oder Ziervogel – sei permanent von Milben befallen. Wäre dies der Fall, würden die betroffenen Vögel relativ rasch sterben, da es sich bei einem Befall mit Milben um eine Krankheit handelt.
Milben sind äussere Parasiten, die von den Tiermedizinern Ektoparasiten genannt werden. Es gibt unterschiedliche Milbenarten, die sich auf Vögel als Wirtstiere spezialisiert haben. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie setzen den Vögeln stark zu. Sollte ein Vogelhalter an seinem Vogel Anzeichen eines Befalls mit Milben erkennen, so ist ein Besuch beim Tierarzt unumgänglich. Nur mit gezielt eingesetzten, wirksamen Medikamenten lassen sich Milben effizient bekämpfen. Im folgenden Abschnitt sowie im zweiten Teil dieses Artikels finden sich Beschreibungen der gängigsten Milbenarten und Anleitungen dessen, was bei einem akuten Befall mit den einzelnen Arten zu tun ist, um dem erkrankten Vogel zu helfen.
Rote Vogelmilbe Die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) ist eine Blut saugende Milbenart. Die einzelnen Tiere sind zwischen 0,7 und 1,1 mm gross, also nur schwer mit dem blossen Auge zu erkennen. Mit ihren vier Beinpaaren krabbelt die Rote Vogelmilbe über den Körper des Vogels und ernährt sich von Blut. Am Tage verstecken sich die winzigen Parasiten in den Ritzen des Käfigs oder in kleinen Spalten im Holz der Sitzstangen sowie des Käfigzubehörs. Dort vermehren sich die Roten Vogelmilben. Vom Ei zur Larve dauert die Entwicklung dieser Milbenart bei Temperaturen um 20°C nur zwei Tage. Liegen die Temperaturen zwischen 9 und 15 Grad, dauert es fünf Tage, bis sich die Larven entwickelt haben.
Die Rote Vogelmilbe gehört zu den nachtaktiven Parasiten, weshalb man sie tagsüber am Vogel nicht nachweisen kann. Ein von den Milben geplagter Vogel ist nachts auffällig unruhig, findet kaum Schlaf und kratzt sich überdurchschnittlich häufig. Tagsüber schläft der erkrankte Vogel viel, wirkt matt und kränklich. Ob ein Vogel nachts schlecht schläft, erkennt man unter anderem an der Verteilung der Häufchen im Käfig Zum Aufspüren der Milben hängt man im Verdachtsfall ein weisses Stofftuch über den Käfig und schaut in der Nacht nach, ob man auf diesem Tuch verräterische kleine, rote Punkte wandern sieht, also die Milben. Zerdrückt man einen solchen "Punkt", findet sich Blut auf dem hellen Stoff.
Eine Therapie für den Vogel selbst gibt es nicht. Es ist notwendig, den Käfig, das Zubehör und die Umgebung des Käfigs restlos von Milben zu befreien. Ausserdem ist es ratsam, den Vogel umgehend in einen milbenfreien Ersatzkäfig umziehen zu lassen, in dem neue Näpfe, Stangen, Schaukeln und gegebenenfalls neues Spielzeug angebracht werden sollten. Dieser Käfig sollte nicht an derselben Stelle stehen, an der der mit Milben verseuchte Käfig stand, denn das Umfeld könnte mit Milben verseucht sein. Erst müssen alle Milben restlos ausgerottet werden, bevor der Vogel wieder an seinem angestammten Platz untergebracht werden kann.
Man sollte alles reinigen und desinfizieren, womit der Vogel in Berührung gekommen ist. Insbesondere die Näpfe und den Käfig sollte man mit heissem Wasser und einer Bürste gründlich schrubben. Es empfiehlt sich, die Stangen und Schaukeln wegzuwerfen und nach Möglichkeit den Müllbeutel sofort aus der Wohnung zu entfernen. Ausserdem muss ein für die Milben giftiges Mittel zum Einsatz kommen, das man beim Tierarzt oder im Fachhandel bekommen. Gut bewährt hat sich im Kampf gegen Milben das Mittel "Exner Petguard". Dies ist ein ökologisches Pflegemittel gegen Ungezieferbefall, das man in Zoofachhandlungen erwerben kann und das für den Vogel nicht schädlich ist. Ist der Milbenbefall extrem stark, sollte man mit dem Tierarzt darüber sprechen, ob es nicht eventuell doch sinnvoll wäre, ein Kontaktgift einzusetzen. Dieses Gift bringt die Milben um, sobald sie damit in Berührung kommen. Es ist allerdings auch für den Vogel extrem schädlich, wenn man es falsch anwendet! Daher ist es für den Vogel überlebenswichtig, dass man sich strengstens an die Dosierungs- und Bedienungsanleitung hält, da man sonst Gefahr läuft, seinen Vogel versehentlich zu töten!
Achtung: Die Rote Vogelmilbe befällt auch den Menschen! Leidet ein Vogel unter einem Befall mit dieser Milbenart und stellen sich beim Halter zeitgleich scheinbar ohne Grund juckende Hautausschläge ein, so haben die Parasiten sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur im und um den Vogelkäfig eingenistet. Am nachhaltigsten lässt sich eine Invasion der Roten Vogelmilbe in der Wohnung vermeiden, wenn man bei den ersten Anzeichen eines Milbenbefalls des Ziervogels umgehend handelt.
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