|
Jeder Aquarianer wird im Laufe seiner Karriere mit Schnecken als Aquarienbewohner Bekanntschaft machen, denn über Pflanzen wird man sie fast immer früher oder später einschleppen. Wenn das Aquarium schneckenfrei bleiben soll, dürfen nur Pflanzen aus nachweislich schneckenfreien Aquarien verwendet werden. Man kann Pflanzen desinfizieren. Schnecken sind - sehr empfindlich gegenüber Kupferionen. Trotzdem ist es kaum möglich, Schnecken nicht irgendwann unfreiwillig zu bekommen, denn auch mit dem Transportwasser von Fischen oder anderem kann man sie einschleppen. Allerdings ist eine gewisse Anzahl von Schnecken tolerierbar und kein Anlass zur Besorgnis. Die meisten kleineren Schnecken fressen Detritus und verdichten ihn, so dass er leichter ausfiltriert werden kann. Viele Schnecken fressen auch Algen; nur die grösseren können sich auch an Pflanzen vergreifen, einige allerdings massiv. Viele Schnecken können einfach abgesammelt werden, wenn sie Überhand nehmen. Für den Boden bewohnende Schnecken kann man auch eine Kartoffel über Nacht ins Aquarium legen und diese dann am frühen Morgen mit den daraufsitzenden Schnecken entfernen. Der Handel bietet auch Schneckenfallen an. Von chemischen Mitteln zur direkten Behandlung im Aquarium ist abzuraten, weil sie zwar die Schnecken abtöten, die Beckenbiologie aber meist stören und Fische und Pflanzen schädigen können.
Einige Fische fressen auch Schnecken. Dazu zählen vor allem Prachtschmerlen (Syncorrus, Yahusikatakia, Botia, Chromobotia), einige Bodensalmler (Characidium) und Kugelfische (Tetraodon).
Alle Schnecken brauchen für den Aufbau ihrer Schalen Mineralstoffe, vor allem Kalzium. Sie sind in der Lage, Kalzium aus dem Wasser direkt aufzunehmen und zu verwerten. Fehlerhafte Stellen und Löcher im Gehäuse sind ein Anzeichen für sehr mineralarmes Wasser. Ist das Ausgangswasser nicht aussergewöhnlich weich, sind entweder zu viele Schnecken vorhanden oder des wird zu wenig Wasser gewechselt. In sehr weichem Wasser muss Kalk (etwa durch Kalksteine oder Muschelgrus) zugesetzt werden, wenn die Schnecken gedeihen sollen.
Ein plötzliches Absterben mehrerer Schnecken ist fast immer ein Warnzeichen und deutet häufig darauf hin, dass die Aquarienbiologie in Unordnung ist. Ein kräftiger Wasserwechsel ist unbedingt anzuraten, denn oft ist eine Vergiftung durch Fremdstoffe oder ein starkes Absinken oder Steigen des pH-Wertes in ungeeignete Bereiche die Ursache für ein gehäuftes Schneckensterben.
Schnecken verderben sehr schnell und können das Wasser dabei sehr stark belasten. Schon das Sterben einer sehr grossen Apfelschnecke kann, wenn es unbeobachtet bleibt, in einem kleinen Aquarium das Wasser verderben. Dies gilt vor allem für weniger gut gefilterte Aquarien oder bei mangelnder Filterbetreuung.
Strömung macht, solange sie nicht zu stark ist, den meisten Schnecken nichts aus, ist also kein Hinderungsgrund für eine Schneckenpflege
Der “Fuß” der Schnecken ist als durchgehende Sohle gestaltet, auf denen die Schnecken auf einer dünnen Schleimspur kriechen. Das kann sogar an der Wasseroberfläche stattfinden, dabei wird die Oberflächenspannung des Wassers genutzt. Die Eingeweide sind durch das Gehäuse geschützt. Die Augen sitzen - anders als bei den Landschnecken - an der Basis der beiden Fühler. Damit können nur Helligkeitsunterschiede wahrgenommen werden.
Fast alle Schnecken sind Luftatmer, jedoch besitzen einige Arten auch Kiemen oder sogar beide Atmungsorgane. Die Lungenschnecken müssen in regelmässigen Abständen an die Wasseroberfläche, wo sie mit z.B. mit einem “Schnorchel” Luft aufnehmen. Einen Teil davon speichern sie in der Lunge als Atemvorrat. Wenn sie in Oberflächennähe Vibrationen bemerken, geben sie diese Luft blitzschnell ab und sinken dann durch den nun fehlenden Auftrieb schnell ab - ein guter Schutz gegen Fressfeinde.
Viele Schnecken sind Zwitter. Wenn zwei zusammenkommen, können sie sich gegenseitig befruchten und später beide Eier legen (Details bei den Artbeschreibungen).
Wildfänge von Schnecken aus langsam fliessenden oder stehenden tropischen und subtropischen Gebieten sollten nur mit grösster Vorsicht behandelt werden. Sie müssen unbedingt eine mindestens sechswöchige Quarantäne durchmachen. Schnecken sind nämlich häufig Zwischenwirte im Entwicklungszyklus verschiedener Parasiten. Am gefährlichsten sind für den Menschen dabei einige Pärchenegel, welche die so genannte Flusskrankheit oder Bilharziose auslösen, in den Schnecken entwickeln sich die Cercarien und verlassen diese dann auf der Suche nach einem Endwirt, zu denen auch Menschen zählen. In diesem entwickeln sich dann die Pärchenegel und können zu sehr starken Krankheitserscheinungen führen. Die Behandlung ist schwierig. Sicherheitshalber sollte deshalb im Aquarien mit Schneckenwildfängen nur mit ausreichend grossen Handschuhen hantiert werden. Nachzuchten im Aquarium können diese Krankheit nicht übertragen, da der Entwicklungszyklus im Aquarium nicht aufrecht erhalten werden kann.
|