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Die verschiedenen Nagerarten und Kaninchen besitzen nur scheinbar ähnliche Fressgewohnheiten. Artgerechte Ernährung von Meerschweinchen, Kaninchen, Chinchillas und Degus wird hier näher durchleuchtet.
Kaninchen- und Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten und am häufigsten gehaltenen kleinen Heimtieren. Noch nicht ganz so häufig findet man Chinchillas und Degus als Haustiere – die Tendenz dürfte jedoch auch hier eindeutig steigend sein, geht doch der Trend zum "Exotischen".
Eine Tatsache, der auch die Futtermittelindustrie Rechnung trägt und für gut gefüllte Regale in Supermärkten und Zoofachgeschäften sorgt. Verschiedenste Futtermischungen, oftmals als Alleinfutter ausgewiesen und verpackt in bunten Faltschachteln, helfen mit, dass sich niemand ernsthaft Gedanken darüber machen muss, wie er sein Heimtier ernährt. Der Inhalt der Schachteln steht in seinem Aussehen der Verpackung meist in nichts nach: sogenannte "Buntfutter", bestehend aus verschiedensten Komponenten, sichern der Herstellerfirma eine gute Akzeptanz seitens der ihrer Kunden.
Aussehen ist nicht alles: Bunt ist nicht immer gut
Anders als Maus, Ratte oder Hamster gehören Meerschweinchen und Kaninchen, Degus und Chinchillas zu den herbivoren Nage-, bzw. Hasentieren. D. h. in der Natur ernähren sie sich vorwiegend von Gräsern oder Kräutern, stammen aus Ländern und Gegenden mit kargem Nahrungsangebot. Stärke- und fettreiche Nahrungskomponenten wie Getreidekörner, Sämereien oder gar Nüsse stehen naturgemäss nie auf dem Speiseplan dieser Tierarten. Gräser, Wurzeln, Kräuter sind die Dinge, die die Tiere normalerweise zu sich nehmen und auf die sich ihr Verdauungssystem – von den Zähnen bis zum Enddarm hin - optimal angepasst hat. Wichtige Darmbakterien sorgen als kleine Helferlein für den Aufschluss der Nahrung und machen ein Überleben im knappen Nahrungsangebot möglich – ein ausgeklügeltes System, welches nur zu schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen ist. Auf die typische Komponenten des – auch bei den naschhaften Tieren – beliebten Buntfutters sind diese Bakterien nur schlecht vorbereitet: zuviel enthaltene Stärke, Fett und Zucker bringt nicht nur die Darmflora der Tiere durcheinander, es macht auch dick, träge und sorgt durch zu schnell eintretendes Sättigungsgefühl für mangelhafte Kautätigkeit. Fettleibigkeit, Durchfälle und Zahnprobleme sind die schlimmen Folgen.
Wie sieht die tiergerechte Fütterung bei diesen herbivoren Tierarten aus?
Grund- oder Hauptfutter für Meerschweinchen, Kaninchen, Chinchillas und Degus besteht immer aus einem grossen Berg gutem Heu zur freien Verfügung.
Heu sorgt dafür, dass die Tiere mit der Futteraufnahme über einen längeren Zeitraum beschäftigt sind und trägt in grossem Maße dazu bei, dass auch die ständig nachwachsenden Zähne in ausreichendem Maße abgenutzt werden.
Ergänzt wird die Heuration bei Meerschweinchen und Kaninchen durch mehrmalige Gaben an Frischfutter wie Obst oder Gemüse am Tag, welche beim Meerschweinchen, das auf die tägliche Zufuhr von Vitamin C angewiesen ist, auch die Versorgung mit diesem lebenswichtigen Vitamin sichert.
Anders als bei Meerschweinchen und Kaninchen, sollte bei Degus auf zuviel Obst verzichtet werden: Degus neigen zur Zuckerkrankheit (Diabetes), welche durch zuviel Fruchtzucker gefördert werden kann. Hier ersetzt zuckerarmes Gemüse die süssen Naschereien!
Chinchillas sind die Extremen unter den herbivoren Tieren: ihr Verdauungssystem ist so empfindlich, dass sogar kleinste Mengen an Stärke oder Zucker ihren Organismus durcheinander bringen. Für Chinchilla-Halter gilt daher, auch wenn es schwer fällt: die einzigen erlaubten Leckerbissen sind hier getrocknete Kräuter (übrigens auch für die anderen Tierarten eine Delikatesse!), einzelne Hagebutten oder hin und wieder einmal eine Rosine. Weniger ist hier auf jeden Fall mehr!
Gar kein Trockenfutter?
Handelsübliche Buntfutter und viele Leckereien sind ungesund. Doch in bestimmten Situationen sind auch an karge Lebensumstände angepasste Tierarten auf eine erhöhte Zufuhr an Energie angewiesen – beispielsweise im Wachstum, während der Trächtigkeit, bei der Aufzucht von Jungtieren oder auch unter extremen Temperaturen. Heu und Grünfutter allein würden hier nicht ausreichen. Einfache Heupellets sind hier das Futtermittel der Wahl, denn sie enthalten alle wichtigen Zusätze an Vitaminen und Mineralien und sorgen dafür, dass die Tiere alle Nährstoffe erhalten, die ihr Körper braucht. Anders als noch vor wenigen Jahren tragen mittlerweile auch die grösseren Futtermittelhersteller dieser Erkenntnis Rechnung und bieten spezielle, auf die jeweilige Tierart abgestimmte Pelletfutter an.
Bunt sind diese Mischungen nicht mehr und stossen deshalb oft auf Skepsis bei Mensch und Tier. Eine Skepsis, die aber in der Regel mit kleinen Tricks (z. B. durch Untermischen bunter, duftender Trockenkräuter) schnell überwunden werden kann!
Meerschweinchen, Kaninchen, Degus und Chinchillas sind Tierarten, die auf mehr oder weniger karges Futter angewiesen ist und deren wichtigste Grundnahrung daher aus Heu besteht, welches mit Frischfutter ergänzt wird. Anders sieht es bei den ganz kleinen Heimtieren aus, die zwar wie die grösseren Verwandten Nager sind, deren Verdauungssystem sich aber in eine ganz andere Richtung entwickelt hat. Zu diesen Nagetieren gehören Mäuse, Hamster und Ratten, auf deren Fressgewohnheiten einmal näher eingegangen werden soll.
Granivor statt Herbivor
Wir im ersten Artikel zur Heimtierernährung bereits angesprochen, nennt man Tierarten, die sich dank spezieller Darmbakterien hauptsächlich von faserigen Pflanzenteilen ernähren "herbivor". Das Gegenteil hierzu stellen die Tierarten da, die gar nicht oder kaum in der Lage sind, solch rohfaserreiches Futter zu verwerten. Diese Arten ernähren sich vorwiegend von Sämereien und Getreide – der Fachausdruck hierfür ist "granivor".
Aus welchen Sämereien setzt sich das Futter für granivore Tiere zusammen?
Neben den heimischen Getreidearten (Hafer, Gerste, Weizen, Mais, sehr gerne auch als Getreideflocken oder gepoppt) sind Hirsen, Vogelsämereien, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne gerngesehene Komponenten bei allen granivoren Tieren. Ausserdem besitzen die Tiere in den meisten Fällen eine Vorliebe für die verschiedenen Nussarten.
Ergänzt wird das jeweilige Grundfutter für die Tiere mit frischem oder getrocknetem Obst, frischem Gemüse oder mit frischen (Wild-)Kräutern. Apfel, Banane und Birne, Karotte und Gurke, Löwenzahn und Gänseblümchen sind nur einige der in Frage kommenden Leckereien. Auch frische Zweige auch mit Knospen werden nicht verschmäht und sorgen für die nötige Nagetätigkeit.
Doch obwohl granivore Nager scheinbar all die Dickmacher essen dürfen, die ihren herbivoren Kollegen verboten sind, gibt es auch hier einen erhobenen Zeigefinger, denn ein zuviel des Guten gibt es auch bei ihnen. Die lieben Kleinen neigen nämlich zum Übergewicht.
Bei zu grossem Futterangebot neigen die Nager dazu, sich aus dem bunten Futter nur das Beste herauszusuchen und vor allem Hamster hamstern was das Zeug hält. Komponenten wie Nüsse oder Sonnenblumenkerne sollten daher wegen ihres hohen Fettgehaltes nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen – vor allem bei Gerbils. Für Ergänzungsprodukte wie Nagersnacks und Yoghurtdrops gilt dementsprechend das gleiche.
Trotzdem Heu?
Trotz der geringen Fähigkeit zur Faserverwertung gehört Heu auch bei den Körnerfressern immer dazu! Ein wenig Rohfaser gehört auch zur gesunden Ernährung, an Heu kann auch geknabbert werden, was für den richtigen Zahnabrieb sorgt und aus Heu kann man sich – gerade als Maus oder Hamster – wunderbar kuschelige Höhlen bauen, viel besser als aus fertiger Watte!
Ein wenig Fleisch muss sein
Die meisten der hier aufgeführten Tiere sind aber nicht nur granivor, sie tragen ausserdem noch die Bezeichnung "insektivor" oder "carnivor". Die Wörter verraten es: bei diesen Tieren – Hamster, Ratte, Gerbil, Hörnchen – gehört auch tierisches Eiweiss mit auf den Speiseplan. Die Versorgung mit diesen lebenswichtigen Proteinen kann durch regelmässige Gaben von Insekten (Mehlwürmern), Hunde- oder Katzentrockenfutter, hartgekochtem Ei, Magerquark oder auch einmal durch einen Hundekauknochen sicher gestellt werden.
Nicht vergessen!
Zum Schluss noch ein dringendes Anliegen: bei vielen Nagern – egal ob Grossen oder Kleinen – wird oftmals bei Angebot von Saftfutter auf die Gabe von Trinkwasser verzichtet in der Annahme, die im Frischfutter enthaltene Flüssigkeit reiche aus. In der Tat geht bei Aufnahme von Grünfutter die Wasseraufnahme zurück, sie hört jedoch nie gänzlich auf. Wasser muss daher bei allen Arten immer zur freien Verfügung stehen!
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